Zu den schönsten Wesens- und Eigenarten des Lesachtales gehört unbestreitbar
der Hang zur Musik. Schon Paolo Santonino, der Vorstand der Patriachatskanzlei
von Aquileia, der mit seinem Bischof im Oktober des Jahres 1485 das Lesachtal
besuchte, schrieb in sein Tagebuch dass die dort geborenen Leute von Natur aus
alle Zither- und Harfenspieler sind, was sie selber sagten und er zum Teil erfahren
habe.
Die Trachtenkapelle Maria Luggau ist eine der ältesten Trachtenkapellen
Kärntens. Der Ursprung der Lesachtaler Blasmusik fällt vor das 300jährige
Jubiläum der Entstehung der Wallfahrt von Maria Luggau zurück. Die
Musikkapelle ist wahrscheinlich noch um einige Jahre älter, doch findet
man erste Aufzeichnungen erst im Jahre 1813.
In den Aufzeichnungen der Chronik II des Luggauer Klosterarchives über die Jubiläumsfeierlichkeiten beim ersten Hauptfest (19. September) 1813 wird die Banda zum ersten mal genannt und als vortrefflich bezeichnet. P. Josef Klebelsberger gründete die Banda, um die kirchlichen Feste feierlich zu umrahmen. Die Bläser wirkten vorerst nur am Kirchenchor und bei Prozessionen mit.
1830
Kapellmeister Josef Guggenberger (Rauter Seppele) vom Raut ging nach Liesing zu Johann Mascher (Oberringer), der ein von Natur aus ein sehr begabtes Musiktalent war und ließ sich dort weiterbilden.
Josef Kofler von Dölsach war einen ganzen Winter in Maria Luggau und wurde
mit der Ausbildung von Musikanten betraut. Die Musik nannte sich damals Kofler-Guggenberger-Kapelle.
In der Klosterchronik steht, dass der damalige Prior Amadeus M. Graßer
ein besonderer Gönner der Blasmusik war. Er ließ den Sängern
und Musikanten an den höchsten Festtagen Mittagessen und eine halbe
Maaß Wein zukommen . Dieser Brauch wurde bis zur Jahrhundertwende
eingehalten.
1866
Der soeben heimgekehrte Militärmusik-Feldwebel Anton Guggenberger vlg. Paternwirt Toni übernahm als Kapellmeister die 15 Mann starke Blasmusik. Er vervollkommnete die Kapelle durch sein Können und brachte sie für die damalige Zeit zu erstklassigen Leistungen.
1872
Kapellmeister Guggenberger verstarb und die Führung der Banda
ging an Josef Salcher, vlg. Promegger, über. Unter Salcher stand die Kapelle
nachweisbar schon auf finanzieller Grundlage. Der Kassastand betrug damals 30
Gulden und 48 Kreuzer.
Der Kassastand betrug:
1871 30 Gulden und 48 Kreuzer
1878 13 Gulden und 89 Kreuzer
1885 56 Gulden und 49 Kreuzer
1892 50 Gulden und 54 Kreuzer
1890
Sämtliche Instumente wurden repariert und teilweise neu angeschaffen.
1893
Franz Lexer, vlg. Tasch, kaufte der Musik ein Es Helikon für 59 Gulden und 24 Kreuzer. Für die Mitwirkung der Musik bei Begräbnissen wurde 1880 1900, 10 Gulden bezahlt. Kassier war Josef Ortner,vlg. Andola.
1900
Kapellmeister Salcher trat aus finanzieller Notlage der Banda zurück, und die Kapelle schien auseinander zu fallen. Schützenmeister Johann Rauter, der seit 1873 bei der Kapelle mitwirkte, gliederte sie als Schützenmusik in den Oberlesachtaler Schützenverein ein, und übernahm die Funktion als Kapellmeister. Unter Rauter, vlg. Steffa, hat sich die Luggauer Musik einen sehr guten Ruf erworben.
Musizierten sie in Birnbaum vor dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand .
1908
Kaiser Franz Josef I. feierte das 60-jährige Regierungsjubiläum und die Banda unter Führung von Kapellmeister Rauter umrahmte das Fest in Wien feierlich.
1910
Der Birnbaumer Wirt, Johann Huber, der ein großer Gönner der Luggauer Musik war, kleidete die Musiker als erste in Alt-Lesachtaler Tracht ein.
1913
32 Musikanten gehen zu Fuß nach Forni Avoltri um die Prozession musikalisch
zu umrahmen.
1919
Festkonzert auf der Wacht für die Heimkehrer aus dem Krieg.
1920
Anlässlich der Kärntner Volksabstimmungsfeierlichkeiten musizierten die Luggauer Musiker in Klagenfurt.
1922
Josef Unterguggenberger, Schulleiter in Luggau hat in der Zeit vom 1.Mai bis 1.November mit Kapellmeister Rauter die Kapelle geschult.
1928
Konzerte in Villach, beim Osttiroler Heimatfest in Lienz, am 19. August 1928
bei der 100-jährigen Gründungsfeier in Liesing.
Im Frühjahr übergab Johann Rauter den Taktstock an den Oberlehrer
und Organisten Hermann Lergetporer. Unter der Führung von Johann Rauter
und dem Obmann Josef Salcher, vlg. Sola, wurde mit ca. 200 Schichten und einem
Kostenaufwand von ca. 3.000,-- Schilling, das erste Musikheim erbaut und anlässlich
des 115-jährigen Bestandsjubiläums eingeweiht. Der Neubau wurde mit
Geld und Holzspenden, sowie Honig und Buttergeld finanziert.
Ehrungen: Kapellmeister Johann Rauter mit 56 Dienstjahren und seinen zwei dienstältesten
Mitgliedern Posaunist Anton Winkler und dem Trommler Johann Seibald.
1930
Der Heldenfriedhof in den Luggauer- Böden wird mit Klängen der Musik
eingeweiht. Bei der 10jährigen Volksabstimmungsfeier in Klagenfurt war
die Luggauer Musik wieder mit dabei.
Konzert in Kals am Großglockner.
1931
Primiz von Pater Johann Paul M. Unterluggauer.
1932
Konzert in Heiligenblut.
1935
Konzert in Villach.
Nach dem Tod von Lehrer Lergetporer übernahm Johann Rauter jun, vlg. Stefanhansl,
den Taktstock. In den 30er- Jahren spielten die Luggauer mit Liesinger Musikanten
in einem Heimatfilm mit. Der Titel lautete, Bauernhochzeit im Lesachtal.
Bei der Gemeinderatssitzung am 10. November wurde beschlossen:
I. Gegenstand: Über Erlass wegen Entlohnung der Musiker bei Kirchtags
Tanzmusik.
Vereinheitlichung wurde beschlossen und festgestellt: In Luggau wurden niemals
Tanztarife von den Musikern eingehoben und bildet Tanzunterhaltung kein Erwerb
für Musiker, auf Grund dessen stellt sich die Gemeinde auf den Standpunkt,
es wolle dieser Zustand im Alten üblichen belassen werden.
1937
Konzert in Mauthen.
Bei der Jahreshauptversammlung am Cäciliensonntag wurde der Vereinsvorstand
bestätigt. Kapellmeister Johann Rauter, Obmann Salcher Josef, Notenwart
Johann Seiwald, Schriftführer Franz Winkler.
1940
Musizierten die Musikkapellen aus Maria Luggau und St.Lorenzen gemeinsam bei der Primiz von Johann Unterguggenberger, vlg. Oberhansl, in St.Lorenzen.
1950
Bei der Landeskonzertwertung in Spital wurde der 3.Rang erreicht.
1951
Bundespräsident Theodor Körner kam nach Maria Luggau. Am Kirchplatz begrüßten Geistlichkeit und Bürgermeister Franz Winkler sowie die Bevölkerung unter den Klängen der Musikkapelle den Bundespräsidenten, der die Front der Feuerwehr und Schützenkompanie abschritt.
1952
Die Luggauer Musiker musizierten in Forni Avoltri.
1955
Die erste Vereinsfahne wurde angeschafft und geweiht. Patin war Anna Inthal. Die Kosten betrugen 5.912,-- Schilling und wurden von der Patin und durch das Spenden von Bäumen finanziert.
1958
Johann Rauter jun. übergab das Musikbanner dem Postbeamten Leo Ortner.
Im gleichen Jahr
musizierten die Luggauer beim Bundesblasmusikertreffen in Feldkirchen.
1960
Das Bezirkmusikertreffen wurde in Maria Luggau abgehalten.
1962
Fronleichnam-Prozession in Mallnitz und Ausflug auf die Häusleralm. Die
Trachtenkapelle wirkt bei der 100-Jahr Feier der Bergkapelle Fohnsdorf mit.
1963
Die Trachtenkapelle Maria Luggau wirkt in Mallnitz bei der Fronleichnamsprozession
mit, am Nachmittag mit dem Zug nach Bad Gastein Bad Bruck, mit gemeinsamen
Konzert der Musikkapellen Bad Gastein und Maria Luggau.
Fahrt zum Bundesblasmusikertreffen in Linz/Donau Abendkonzert in St.
Florian und am nächsten Tag zum Bundesblasmusikertreffen.
1964
Josef Salcher vlg. Promegger übernahm die Führung der Kapelle. Fahrt zum Landesmusikerfest in Rankweil/Vorarlberg .
1965
Fahrt nach St. Georgen am Längsee.
1966
Besuch der Trachtenkapelle Maria Luggau in Neustift/Oberösterreich.
1967
Landesmusikertreffen der Niederösterreichischen Trachtenkapellen in Krems - es waren 90 Musikkapellen anwesend.
1969
Bei den 100-Jahr Feierlichkeiten der Erstbesteigung der Dreischusterspitze in Sexten musizierten die Luggauer Musikanten. Peter Salcher , ein Luggauer war bei der Erstbesteigung dabei die Festansprache hielt Lois Trenker. Am 4. Oktober fand ein Kärntner Abend in Adambräu in Innsbruck statt, den die Musikkapelle feierlich gestaltete.
1970
Die Luggauer Musikkapelle wurde zum erstenmal nach Weiler bei Heilbronn eingeladen. Prompt verliebte sich Prünster Raimund, Trommler der Musikkapelle, in seine Hannelore. Seit dieser Zeit besteht eine enge Freundschaft zu diesem Ort und ihren Bewohnern.
1971
Konzert in Paularo/ Italien
1974
Fahrt zum Heimatfest nach Weiler bei Heilbronn.
1978
Vom Land Kärnten erhielt die Kapelle offiziell den Namen Trachtenkapelle Maria Luggau verliehen. Johann Seiwald sen. wurde für seine langjährige Ehrenvolle Tätigkeit für den Verein zum Ehrenobmann ernannt.
1979
Unter Mithilfe aller Musikanten wurde das Musikheim renoviert.
1980
Kozert beim Wernberger Kirchtag.
1982
Josef Salcher verstarb und Alois Unterguggenberger übernahm als Kapellmeisterstellvertreter die Kapelle.
1983
Johann Lugger wurde zum Kapellmeister gewählt, er vermittelte sein musikalisches
Können den Musikern. Das Niveau der Kapelle ist durch Ihn beträchtlich
gestiegen, wodurch es erstmals auch möglich war, Modernere Literatur aufzuführen.
In diesem Jahr fuhr die Musik nach Pichl bei Wels.
Zum ersten mal in der Vereins- geschichte durfte auch ein Mädchen Mitglied
der Trachtenkapelle werden, Ortner Aloisia vlg.Andola.
1986
Die Alpen Adria Autobahn wurde im bei sein von Bundeskanzler Franz Vranitzky
eröffnet. Die vereinten Lesachtaler Kapellen waren mit dabei.
Fahrt zum Heimatfest nach Weiler bei Heilbronn, nach Wolfsberg ( Fronleichnam
) Nachmittagskonzert in St.Marein im Festzelt.
1987
Bezirksmusikertreffen in Tröpolach. Am 12. Juli musizierte die Trachtenkapelle in Val Visedende bei der Papstmesse und am 11. Oktober beim 40-jährigen Jubiläum des Kärntner Bildungswerks in Klagenfurt wo auch Bundespräsident Kurt Waldheim ein Ständchen gespielt wurde. Ein unvergessliches Erlebnis war für die Luggauer Musikanten auch die Christbaumeinweihung in Rom am Petersplatz mit Papstaudienz.
1988
175-Jähriges Gründungsjubiläum der Trachtenkapelle Maria Luggau. Wie fast alle Jahre spielt die Trachtenkapelle im Fasching in Sappada.
1990
Heimatfest in Weiler und 20- Jahre Freundschaft Maria Luggau und Weiler.
1991
Die Musikkapelle wird nach Pichl bei Wels, OÖ. zum Hoffest eingeladen. Am 25. August Konzert im Pavillon in Cortina und Umzug durch die Stadt zum Olympia Stadion. Am 28. September wird beim Ploderfest in Sappada musiziert.
1992
Die Trachtenkapelle Maria Luggau spielt bei der Angelobung von Bundespräsident Thomas Klestil in Wien.
1993
Wird das 180- jährige Jubiläum der Trachtenkapelle Maria Luggau gefeiert und die vom Obmann Franz Rauter angeschaffene Vereinsfahne eigeweiht. Fahnenpatinen sind Edith Oberluggauer und Resi Unterguggenberger. Fähnrich war Strieder Johann.
1994
Lugger Johann übergibt das Musikbanner Josef Salcher, vlg. Promegger. In diesem Jahr fand das 38.Bezirkmusikertreffen in Maria Luggau statt. Am 31. Juli Musiziert die Trachtenkapelle beim neu Renovierten Heldenfriedhof in den Luggauer Böden. Im August fährt die Musik zum Heimatfest nach Weiler bei Heilbronn.
1995
Bei der Marschwertung in Kötschach erreicht die Kapelle in der Stufe A einen ausgezeichneten Erfolg. Im August spielt die Trachtenkapelle in Cortina ein Konzert im Pavillon am Hauptplatz und im Oktober in Klagenfurt bei den 75-jährigen Jubiläum der Volksabstimmungsfeierlichkeiten sowie ein Herbstkonzert in Liesing.
1996
Teilnahme am Bezirksmusikertreffen in Hermagor und beim 175-jährigen Jubiläum der Musikkapelle Obertilliach. Kaiserenkel Karl Habsburg und Gattin wurden mit Klängen der Trachtenkapelle in Maria Luggau begrüßt. Im Herbst marschiert die Musik durch Calalzo um einen alten Nostalgie- Zug zu empfangen und am 30. November bei der Luggauer Christbaumübergabe in Klagenfurt.
1997
Marschieren und musizieren die MusikerInnen in Sappada beim Faschingsumzug
und in St.Johann in Tirol beim Gustl Salcher, vlg. Sola, beim 10-jährigen
Jubiläum seiner Tankstelle.
1998
Bei der Jahreshauptversammlung wurde über den Neubau eines Probelokales
diskutiert und einige Monate später beschlossen.
Teilnahme am Bezirksmusikertreffen in St.Lorenzen. Konzert in Sappada und Fahrt
zu unseren Freunden nach Weiler bei Heilbronn. 3 Musikanten wurden inzwischen
in Weiler und Umgebung sesshaft, Raimund Prünster, Erwin Salcher, und Meinrad
Salcher. Fahrt nach Berlin zur feierlichen Übergabe des Kärntner Christbaumes
mit den vereinten Lesachtaler Musikkapellen.
1999
Einweihung eines Sportstadions in Domegge/Italien. Beim Marschwertungsspiel in Kötschach erreicht die Kapelle in der Stufe B einen ausgezeichneten Erfolg.
2000
Fasching in Sappada. Bei der 80-jährigen Volksabstimmungsfeierlichkeiten
in Klagenfurt marschieren die vereinten Lesachtaler Musikkapellen.
Almfest im Luggauer Tal.
2001
Am 1.Mai Spatenstichfeier anlässlich des Probelokal Neubaus am Schulplatz. Der Rohbau wurde bis im Herbst fertiggestellt. Beim Marschwertungsspiel in Kötschach erreicht die Kapelle in der Stufe C einen ausgezeichneten Erfolg. Fahrt nach Wien zum 22. Österreichischen Blasmusikerfest und zum Bezirksmusikertreffen nach Mauthen.
2002
Der Luggauer Kirchtag wir am Schulplatz gefeiert und das Konzert findet im Rohbau des neuen Probelokales statt.
2003
Die Arbeiten für das neue Vereinsheim wurden abgeschlossen.
Die Trachtenkapelle beschließt auf Wunsch einiger Musikanten eine CD-
Aufnahme, die unter Beteiligung vom Kirchenchor, Männergesangsverein, Luggauer
Weisenbläser und der Trachtenkapelle im neuen Probelokal erfolgreich durchgeführt
wurde. Die CD- Präsentation fand anlässlich des Luggauertreffens statt.
Näheres zur CD finden sie unter Tonträger
Die Trachtenkapelle Maria Luggau hat sich weit über das Lesachtal hinaus einen guten Namen erworben. Man hat sie innerhalb und außerhalb bei zahllosen und verschiedensten Anlässen gerufen. Fahrten und Auftritte in Deutschland, in Südtirol und in fast allen Bundesländern. Bei verschiedenen Anlässen im Tal und in der unmittelbaren italienischen Nachbarschaft. Die Liebe zur Musik und die Freude am Musizieren in der Gemeinschaft, das sind jene Elemente, welche die vielen MusikerInnen in den Kapellen im Lesachtal verbinden. Durch Ihre Talente, ihren Fleiß und Ihren Idealismus bewahren sie die große Tradition, die das Lesachtal auf dem Gebiete der Blasmusik seit jeher besitzt. Der Inhalt dieser Festschrift ist nur ein kleiner Qerschnitt durch die Chronik der Trachtenkapelle Maria Luggau.
Schlussatz von Thomas Tiefenbacher bei der Festrede, beim 115jährigen Jubiläum
der Trachtenkapelle Maria Luggau von 1928:
Was immer das Schicksal im Laufe der Zeiten an Freuden und Sorgen über
die Heimat bringen mochte, in den Melodien der Musik hat es seinen eigenen Niederschlag
gefunden. Sie hat, wie überall, so auch in Luggau durch ihre Klänge
Festen und Feiern Sinn und Halt gegeben. Die Musikkapelle ist Ausdruck des örtlichen
Gemeinschaftsgefühls und zur Bereicherung des kulturellen und gesellschaftlichen
Lebens geworden. Möge der Musikverein, der mit Stolz auf seine lange Vereinstradition
zurückblicken kann, weiterhin blühen, wachsen und gedeihen
heute, morgen und in aller Zukunft - zum Wohle des Ortes und seiner Bewohner
und im Dienste unserer schönen Heimat!